Prostitution 2022 – Ein gutes Neues Jahr – Rückblick, Ausblick & Projekte

Prostitution 2022 - Ein gutes Neues Jahr - Rückblick, Ausblick & ProjekteProstitution 2022 – Ein gutes Neues Jahr – Rückblick, Ausblick & Projekte

First of all – Ein gutes neues Jahr 2022 für alle! – Bleibt gesund und entwickelt positive Energie für eine vermutlich weiter noch anstrengende Zeit! – Auf zu neuen Taten im jungen Jahr 2022 – Packen wir´s an!

Swingerclubs in NRW geschlossen – Bordellbetriebe bleiben aber auf!

Das Jahr 2021 endete für die Swingerclubs in Nordrhein-Westfalen, denen ich durch meine frühere berufliche Tätigkeit nach wie vor eng verbunden bin, mit einem Desaster: zum 30.12.2021 wurde quasi 20 Minuten vor 12 Uhr die Durchführung von Silvester-Veranstaltungen per kurzfristigem Update der Coronaverordnung verboten und dies zu einem Zeitpunkt, wo die Einkäufe bereits getätigt waren. Durch eine sehr missverständlich formulierte Verordnung, bei der „Swingerparties auch in Bordellen und Prostitutionsstätten“ verboten wurden, hielt sich, auch durch fehlerhafte Pressemeldungen, am vergangenen Donnerstag das intensive Gerücht, dass auch Bordelle und Prostitutionsstätten in NRW umgehend zu schließen seien. Dies war und ist aber nicht der Fall sowie nach jetzigem Wissensstand wohl von der Landesregierung auch nicht geplant. Man wird am kommenden Freitag, dem 7. Januar 2022, in der nächsten Minister-präsidentenkonferenz die getroffenen Maßnahmen hinterfragen, Änderungen vornehmen. Dass der Bereich der Prostitution betroffen sein wird und es hier Verschärfungen geben wird, halte ich für sehr unwahrscheinlich!

Unkenrufe sorgen für Irritationen – Schließungsgebete?

Wenn man diverse Postings in den Facebook-Gruppen der IG Zukunft Rotlicht verfolgt, findet man diverse Postings, wo immer wieder die Frage gestellt wird, wann „Bordelle wieder dran sind“. Es gibt scheinbar eine entsprechende Erwartungshaltung, dass es im Rahmen der kommenden Corona-verschärfungsmaßnahmen zwangsläufig wieder zu Bordellschließungen kommen muss. Diesen Unkenrufen, die geradezu Schließungen herbeibeten, widerspreche ich heute nochmals ausdrücklich. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass für Bordellbetriebe mit 2 G bzw. in einigen Bundesländern 2 G plus verschärfte Auflagen gelten, dass man Schließungen, mit Ausnahme einiger Inzidenz-Hotspots, aber nicht ins Auge gefasst hat. Man sieht am Beispiel von NRW und der jetzigen Differenzierung zwischen Bordell und Swingerclub, welchen Sinn die Maßnahmen haben: man will Menschenansammlungen vermeiden und die Anzahl der Kontakte so beschränken. Nicht mehr und nicht weniger. Moralische Aspekte spielen nach meiner Auffassung gerade keine Rolle.

Jahresbilanz 2021 – Sehr verhaltene Geschäfte durch Dauer-Corona-Maßnahmen

Ich habe während des Jahrs 2021 und nun zum Jahresschluss viel mit befreundeten Betreiberinnen und Betreibern telefoniert und dabei so manche Jahresbilanz präsentiert bekommen. Die Konjunktur war in der Summe gesehen sehr mäßig und wirkliche Besserungen sind gerade nicht in Sicht. In fast allen Regionen des Landes haben sich viele Gäste an 2 G und weitere Testpflichten gewöhnt und sind wieder aktiv; nicht wenige ängstliche Charaktere unter den Herren haben aber dem Rotlicht zumindest temporär Adieu gesagt. Das größte Problem sind aber die gewerblichen Damen, die scheinbar offiziell von der Bildfläche verschwunden sind oder eben in neuen grauen Strukturen und aus vielfältigen Gründen unter dem behördlichen Radar schaffen. Das hier für das neue Jahr weitere Konflikte vorprogrammiert sind, liegt auf der Hand und die Aktion „Sauberes Rotlicht“ bleibt natürlich auf unserer Agenda.

Betriebe waren in 2021 recht unverkäuflich – Kein Wunder!

Das Prinzip von Angebot und Nachfrage ist unter Corona nur bedingt anwendbar. Nicht wenige Betreiber haben „unter Corona“ die Nase voll vom Geschäft mit der Käuflichen Lust und boten ihre Betriebe im vergangenen Jahr direkt oder indirekt zum Kauf an. Käufer fanden sich aufgrund der schwierigen Lage kaum, es sei denn man wurde für ein unanständiges Taschengeld handelseinig. Die Nachfrage nach Pachtobjekten war deutlich größer, aber die damit verbundenen Risiken, nämlich ein oder zwei Mieten zu erhalten und danach nichts mehr, verhinderten in den meisten Fällen auch hier Einigungen. Der Stillstand ist nicht verwunderlich, sondern typisch und ich vermeide es momentan auch eher Empfehlungen und Einschätzungen abzugeben. In Ausnahmefällen äußere ich mich natürlich gerne, aber nicht öffentlich bis absolut.

Staatliche Hilfen laufen weiter – Überbrückung der Coronazeit

Bis mindestens Ende März 2022 soll es im Rahmen von Überbrückungshilfen finanziellen Ausgleich für Betriebe geben, die nach wie vor starke Umsatzeinbußen haben, was in unserem Bereich fast die Regel sein wird. Das Überleben soll in jedem Fall staatlich gewährleistet werden und der neue Bundesfinanzminister hat unlängst interessante neue Steuergesetze angekündigt, bei denen man zukünftige und vergangene Gewinne mit Verlusten aus der Coronazeit verrechnen kann. Politische Bewegung ist notwendig und diese Bewegung findet dann hoffentlich auch statt. Die Regierung muss nun liefern, um die Wirtschaft und die Wähler bei Laune zu halten. Über die neuen Programme und die geplante neue Gesetzgebung werde ich berichten, wenn Spruchreife eingetreten ist.

Mitte 2022 beginnt die Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG)

Am 1. Juli 2022 startet die Evaluation, bis spätestens 1. Juli 2025 ist dem Bundestag ein Evaluationsbericht vorzulegen. Das zuständige Bundesfamilienministerium hat bereits im letzten Jahr Studien ausgeschrieben, die die Auswirkungen des Gesetzes überprüfen sollen. Es geht um systematische Analyse und Bewertung der Prozesse, die durch das Gesetz ausgelöst werden. Wo gibt es Schwachpunkte, an welchen Stellen sollte nachgebessert werden? Die Ausschreibung mit 3 sogenannten „Losen“ richtet sich an wissenschaftliche Stellen und Institute, die für eine solche Begutachtung fachlich und organisatorisch aufgestellt sind und über akademischen Background verfügen. Externe Expertise, wie es in vielen Politikfeldern seit Jahren üblich ist. Natürlich haben auch die Berufsverbände der Sexarbeit die Möglichkeit sich zusätzlich einzubringen und innerhalb der 3 Jahre der Evaluation entsprechende Akzente zu setzen. Wenn alles dem üblichen parlamentarischen Weg folgt, werden im zuständigen Ausschuss des Deutschen Bundestags parallel zu der Evaluation diverse Entschließungsanträge eingehen, in denen die Parteien Änderungen anregen oder eigene Bewertungen vornehmen. Alles zeitintensiv. So gehe ich heute davon aus, dass sich die Prostitutionsgesetzgebung bis 2025 nicht wesentlich ändern wird, da der Gesetzgeber sich selbst ja eine großzügige Frist gewährt hat. Das Thema „Sexkaufverbot“ ist daher nicht so treibend, wie es einige vermutet haben und unsere Gesellschaft hat momentan auch ganz andere Probleme. Dennoch sind 3 Jahre keine Dimension und man sollte den Sexkaufgegnerinnen und -gegnern, die sich auch in der gegenwärtigen Regierung finden frühzeitig Paroli bieten. Darum auch folgendes Projekt:

Antagonismus zu den Grusel-Kampagnen der Sexkaufsgegner – Buchprojekt Positive Sexarbeit – Nordisches Modell – Keine Möglichkeit für Deutschland!

Schon im letzten Jahr war eine Kampagne „Gesichter der Käuflichen Lust“ angedacht, bei der Sexarbeiter*innen und Betreiber*innen ihre Gedanken zur Sexarbeit und zum „Nordischen Modell“ schildern sollten. Dies war als Podcast und als interaktives Buch geplant, fiel dann aber den allgemeinen Corona-Wirren zum Opfer. Nun wurde kürzlich zu Zwecken der intensiven Meinungsmache mit „Das Nordische Modell – Eine Möglichkeit für Deutschland?“ ein klerikal orientiertes Machwerk veröffentlicht, in dem bekannte Sexkaufgegner*innen wie der Ex-Bundestags-Abgeordnete und Heilsarmee-General Frank Heinrich und die von uns nicht geschätzte Leni Breymaier erneut gegen die Prostitution als solches antreten und ihre fragwürdigen Thesen nun als polarisierende Handreichung in Buchform anbieten. Es wird Zeit, dass wir darauf antworten, und zwar ebenso anschaulich wie seriös. Bei dieser Antwort geht es nicht darum Sexarbeit zu glorifizieren, sondern darum die weitreichende Normalität darzustellen. Die schlimmen Beispiele, die zweifelsohne existieren und von den Sexkaufgegnern aufgegriffen werden, sind nicht die Normalität, sondern die Ausnahme. Einzelne schwarze Schafe färben nicht die ganze Herde dunkel ein. Es gibt die selbstbestimmten Sexarbeiter*innen und diese sind nicht die Minderheit. Sexarbeit ist kein merkwürdiger Fetisch, sondern Arbeit. Die Betreiber sind selten Gangster, sondern Unternehmerinnen und Unternehmer, die staatlich kontrolliert und reglementiert werden. Das raue Gesetz der Straße gilt schon lange nicht mehr und die Verteufelung der Branche ist das, was man dieser stetig unterstellt: „unanständig“. Ich möchte dem vermeintlichen Heilsbuch daher mit einer Publikation „Das Nordische Modell – Keine Möglichkeit für Deutschland!“ online und per Printausgabe antworten und dabei ein breites Spektrum von Meinungen von Akteuren aus Sexarbeit und Betreibung abbilden. Das Projekt werde ich noch im Januar beginnen, dann eine Projektplattform dazu entwickeln und gezielt Personen ansprechen, deren Beitrag mir wichtig ist. Die neue Projekt-Info_Homepage findet sich jetzt und zukünftig unter folgendem Link:
https://www.zukunft-rotlicht.online/das-nordische-modell-keine-moeglichkeit-fuer-deutschland/

Das Beste kommt wie immer zum Schluss – Der schnöde Abgesang!

Wie schon in der Advents- und Weihnachts-Botschaft erwähnt, möchte ich unserer IG Zukunft Rotlicht wieder mehr Leben verleihen und zukünftige Zoom-Konferenzen in Absprache mit den Kollegen Christoph Rohr und Thomas Schiller wieder „thematisch gestalten“. Weniger abendliches Kaffeekränzchen, sondern wieder Brainstorming und Ideenentwicklung zu Themen, die uns angehen und mit denen wir etwas bewegen können. Womöglich ist in 2022 auch wieder die richtige Zeit für einen Kongress „Zukunft Rotlicht“? Wir werden uns hoffentlich (wieder) sehen! Ich danke an dieser Stelle nochmals ausdrücklich für Unterstützung und finanzielle Zuwendungen im abgelaufenen „Betriebsjahr“, besonders der kleinen Schar von regelmäßigen Spendern und freue mich ganz eigennützig über entsprechenden Support im neuen Jahr.

Bleiben wir uns gewogen

Ihr / Euer Howard Chance


Das Internetangebot www.zukunft-rotlicht.online ist ein Angebot von MH-Consulting, ist werbefrei und finanziert sich ausschießlich über Zuwendungen und Donations: https://www.paypal.com/donate/?hosted_button_id=94LDDBFKNPV8N
Kontoverbindung: Heinbach – Postbank – IBAN: DE46 1001 0010 0487 5641 13


Frohes Fest? – Weihnachten 2021 zwischen Hoffen und Bangen – Ein Gruß!